Was wir in Elternbüchern über das Essen lesen

3/14/2013 12:10:00 nachm.



Eltern und Essen

Im letzten Monat habe ich Textpassagen aus zehn Kinderbüchern zitiert,  in denen Essen erwähnt wurde (Essen, Schlemmen, Kochen und Genießen). Heute möchte ich mir zum Vergleich Elternbücher ansehen.

Überraschender Weise fand ich in den Büchern, die ich zu Hause hatte, richtig wenig zum Thema. Also blieb mir das Stöbern in der Bücherei nicht erspart. Dafür habe ich einige interessante Schätze endeckt.



"Verzichten Sie auf ein reflexartiges Brustauspacken bei Missgeschicken oder ersten Hungerzeichen. Eher gilt es, Zeit zu gewinnen und das Verlangte ein wenig hinauszuzögern. 'Oliver, jetzt nicht. Ich möchte erst selbst etwas essen (oder trinken). Magst du auch etwas?", kann bereits eine interessante Alternative bieten."
(Josephine Schwarz-Gero in Baby, warum isst du nicht?, S. 140)




"Babys sind etwa ab dem fünften Monat in der Lage Nahrung mit der Zunge vom vorderen Mundraum nach hinten in den Gaumen zu befördern. Sie möchten nun aber auch nach Interessantem greifen. Und was es in die Hände geschafft hat, wird mit dem Mund gründlich erforscht."
(Dr. Astrid Laimighofer in GU - Babyernährung, 2012, S. 44)



"Mit etwa sechs Monaten kann Ihnen Ihr Baby aber auch schon gut zeigen, was es möchte: Erblickt es etwas Essbares, das es gern hätte, sperrt es den Mund weit auf und beugt sich nach vorn. Ist Ihr Baby dagegen satt oder mag es etwas nicht, leht es sich zurück."
(Dr. Astrid Laimighofer in GU - Babyernährung, 2012, S. 45)



"Kleckern und mit Essen experimentieren ist prinzipiell für alle Kinder dieses Alters interessant. Zu lernen, dass Brotstückchen im Himbeersaft schwammig werden, Bohnen hingegen im Kakao ihre Form bewahren, sind wissenswerte Informationen. Und das sind erst zwei. Wissenshunger ist auch ein Hunger. Auch der will gestillt sein. (...)
Ist die Mutter allerdings sehr aufmerksam, vorausplanend und durchorganisiert, ergeben sich solche Gelegenheiten nicht. Dann kann das Kind nicht lernen, dass Brot im Himbeersaft schwammig wird. Es kann nicht feststellen, dass Bohnen hingegen ihre Form bewahren, während sie im Kakao schwimmen. Seine Neugierde wird nicht gestillt. Das kann auch auf den Appetit schlagen." 
(Josephine Schwarz-Gero in Baby, warum isst du nicht?, 2012, S 103)




"Wie verheimlicht man fünf in eine prächtig orangenfarbene Liptauer-Schüssel eingetunkene Finger? (Fortgeschrittenen-Edition: Wie verheimlicht man zehn in eine prächtig orangenfarbene Liptauer-Schüssel eingetunkene Finger?)"
(Daniel Glattauer in Theo, 2010, S 140)



"Nicht nur Kindergartenkinder, auch Schulkinder wollen Essen erleben können. Wenn sie Tomaten selber ziehen, schmecken diese alleine aus diesem Grund schon, weil diese selber gepflanzt und 'betreut' wurden. Hat Ihr Kind eine Kuh gestreichelt oder vielleicht sogar selbst gemolken, wird die Milch auch meist besser schmecken. Beziehen Sie Ihre Kinder mit ein - in die Auswahl des Speiseplans, in den Einkauf und besonders in die Zubereitung der Speisen. Durch das Selber-Schneiden und -Zubereiten wird Ihr Kind nicht nur geschickter im Umgang mit Küchenwerkzeugen, sondern akzeptiert auch viel eher die Speisen."
(Dr. Astrid Laimighofer in Schlaue Kinder essen richtig!, 2009, S. 102)






"Mann, das nervt! Und wie! Da steh ich so lange in der Küche und habe mir schon den ganzen Vormittag den Kopf zermartert, was die kleine Prinzessin oder der kleine Prinz  heute wieder aus dem Essen pickt. Dabei habe ich noch gefragt, was ich denn heute kochen soll, habe mit einer Engelsgeduld versucht mein Kind wenigstens noch ein bisschen in die Mittagessenplanung einzubeziehen und was passiert: Meine wirklich mit viel, viel Liebe gekochte Sauce (ja, zu den Nudeln, ABER mit Gemüse) wird nicht einmal angeschaut. Nicht mal schief von der Seite! Sie landet nur auf dem neuen Ringel-T-Shirt."
(Susanne Klug in "Her mit dem Gemüse, Mama!",  2008, S. 9)



"Wenn also der Papa oder die Mama auch kein großer Gemüsefreund sind, bitten Sie sie, in Zukunft mit bestem Beispiel voranzugehen und Gemüse auch für sich neu zu entdecken. Denn Sie als Eltern sind und bleiben die großen Vorbilder für Ihr Kind."
(Susanne Klug in "Her mit dem Gemüse, Mama!",  2008, S. 17)




"Selbst kochen erfordert und fördert Geschick und Verstand. Beim Schälen, Schneiden und Stechen schulen Kinder Kraft und Geschicklichkeit ihrer Hände und verbessern die Augen-Hand-Koordination. Gleichzeitig stärkt das wohlschmeckende Arbeitsergebnis das Selbstbewusstsein, weil es für den selbst gemachten Kuchen oder den gelungenen Auflauf viel Lob gibt." 
(Eltern-Kursbuch: Grundschule, 2007, S. 130)




"Mit der Anleitung zum richtigen Tischdecken lernen Kinder viele Begriffe der räumlichen und zeitlichen Zuordnung."
Rupert Dernick und Werner Tiki Küstenmacher in Topfit für die Schule, 2010, S. 45)



FAZIT: 


Das Thema Essen und Kinder war für mich immer schon besonders spannend. Doch mit der Zeit fokussierte sich mein Interesse auf die Frage: "Wie kriege ich meine Kinder dazu, dass sie das essen, was ich koche?"

Dass ich mit diesem Problem nicht alleine da stehe, zeigt Susanne Klug im Zitat Nr. 7. Einige mögliche Strategien habe ich beim Durchblättern der Elternbücher kennengelernt.

1. Essen zum Erlebnis machen! 
Dies ist kein schlechter Rat. Auch ich mag hier und da Neues ausprobieren. Es stellt für mich auch gar nicht so viel Aufwand dar, wie man sich möglicherweise vorstellt. Übrigens eine Möglichkeit, wie man mit dem Essen "spielen" kann, habe ich im vergangenen Sommer im Rahmen von Der kreative August vorgestellt -> Mit essen spielt man nicht!?

2. Gemeinsam die Kochkünste entdecken!
Patrizia hat bereits in unserem Gespräch (Interview: Sich zum Kochen und Genießen inspirieren lassen ) betont, dass die Zeit, die man als Familie gemeinsam am Küchentisch verbring, wertvoll ist. Gemeinsames Kochen macht nicht nur Spaß, sondern stellt auch eine Gelegenheit dar, die Kinder in ihrem selbständigen Tun zu fördern. Beim Kochen passiert das Lernen ganz natürlich - wie schön!

3. Die Vorlieben der Kinder akzeptieren und selber ein Vorbild sein!
Die Kinder orientieren sich an unserem Verhalten. Es ist also besonders wichtig, wie wir uns als Eltern ernähren. Dennoch möchte keiner von uns wirklich dazu gezwungen werden, ausschließlich das zu essen, was die anderen mögen oder für gesund halten. Deshalb sollten meine Kinder die unterschiedlichen Speisen selber entdecken dürfen. Dinge, die sie gänzlich ablehnen, brauchen sie nicht essen, auch wenn ich sie für gesund, schmackhaft oder wertvoll halte.


Wie läuft es bei Euch zu Hause? Werdet Ihr auch mit Problemen rund um das Essen und Kochen für Eure Familie konfrontiert? 

Verweis an die hier verwendeten Bücher: 


Bilderquelle: Amazon.de






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