Was wir in Büchern über die Angst lesen...

11/06/2012 11:30:00 nachm.

Angst gehört dazu - auch in den Kinderbüchern

Es sind nur ein paar Tage seit Halloween vergangen und bei mir im Blog geht es schon wieder um das Thema "Angst".

Nicht nur Kinder, sondern auch wir - ihre Eltern - reagieren in manchen Situationen mit Angstgefühl. Manchmal handelt es sich nur um Augenblicke, während wir uns immer wieder mal etwas länger Gedanken machen. Fallweise ist unsere Furcht begründet und schwer zu ertragen, hin und wieder weniger.

Wir Eltern werden dennoch im Familienalltag mit weinenden Kindern konfrontiert, mit Kindern die von Angst zittern, die sich zum Beispiel weigern, einen Raum zu betreten oder ein Haustier zu streicheln. Auch das nächtliche Aufwachen und schlechte Träume sind gar nicht so selten, für Kinder und Eltern jedoch gleichermaßen belastend. Wie können wir die Angst mildern? Wie sollen wir unseren Kindern in solchen Situationen begegnen? Wie können wir den Kleinen Mut machen? Das sind die Fragen, die sich viele Eltern stellen.


"Wenn einer keine Angst hat, hat er keine Phantasie." 
Erich Kästner

In der heutigen Folge von "Was wir in Büchern lesen..." geht es also um die Angst und das Fürchten an sich. Ich präsentiere Euch fünf Zitate aus der Kinderliteratur und fünf aus Büchern für Eltern. Wie auch schon die vorigen Male werden die Zitate ohne jeden Zusammenhang einfach aneinander gereiht und losgelöst vom restlichen Inhalt stehen gelassen. Dennoch scheint diese Zufälligkeit und Losgelöstheit, uns ein Stück weit begreifen zu lassen, was es mit dem Thema an sich hat.

Vergangene Ausgaben der Rubrik >>>Was wir in Büchern lesen...<<<
Juni 2012 - Die Welt der Kinder in den Bücherzitaten
Juli 2012 - Wer hat was über Erziehung geschrieben?
August 2012 -Wie war das mit der Kreativität?
September2012 -Lernen, lernen, lernen?

 

Bücherzitate zum Thema Angst: 


"Was, wenn man mich lebenslänglich ins Gefängnis steckt? Ich müsste dann für immer drinbleiben!"
"Beruhige dich", sagte Abigail. "Atme erst mal tief durch."
"Wozu soll das gut sein?", fragte ich.
"Okay, da ist was dran. Vergiss das Durchatmen. Aber mach dir nicht so viele Sorgen."


(David Lubar: Plötzlich Zombie - Hier ist was faul!)


"Erkennt das Kind, dass es verschiedene Lösungen gibt, ja findet es sogar selbst im Gespräch welche, fühlt es sich nicht mehr handlungsunfähig und verliert die Angst vor dieser Situation."
(Eltern-Kursbuch: Grundschule - Kinder fördern, fordern und erziehen)


"Aber Wickie konnte eine Weile gar nichts sagen. Es hatte ihm die Sprache verschlagen. Und als das überwunden war, bekam er einen Schluckauf. Und als er ausgehickst hatte, wurde er einen Moment ohnmächtig. 
Aber schließlich - etwas später - dachte er dann doch angestrengt nach!"
(Runer Jonsson: Wickie der Entdecker)

"Das Spiel stellt eine weitere angemessene Form der Verarbeitung von Ängsten dar, weil es zentrale Entwicklungsaspekte des Kindes berücksichtigt. Das Kind läßt sich freiwillig auf ein Spiel ein, das selbstbestimmten Regeln unterliegt. (...) Eigenständig und ausgerüstet mit eigenen Mitteln stellt sich das Kind der Angst, versucht sie zu begreifen, um einen Begriff von ihr zu bekommen. Dies geschieht, ich betone es nochmals, in einer Geschwindigkeit, die das Kind vorgibt."
(Jan-Uwe Rogge: Ängste machen Kinder stark)

"Die Turmuhr schlug drei.
Wenn überhaupt, dann hatte der Vater spätestens jetzt gemerkt, dass Bastian nicht nach Hause gekommen war. Ob er sich wohl Sorgen machte? Vielleicht würde er losgehen und ihn suchen. Vielleicht hatte er schon die Polizei benachrichtigt. Am Ende wurden schon Fahndungsmeldungen im Rundfunk durchgegeben. Bastian fühlte einen Stich in der Magengrube."

(Michael Ende: Die unendliche Geschichte) 


"Die menschliche Seele verfügt also über Mechanismen, mit deren Hilfe wir unangenehme, zu heftige oder unerwünschte Gefühle nicht wahrnehmen müssen. Sie bleiben oder werden unbewußt. Diese seelischen Mechanismen heißen Abwehrmechanismen und sind das 'seelische Werkzeug', mit denen wir uns zum Beispiel vor 'Überflutung' durch heftige Gefühle und Wünsche schützen können: eine Art 'Immunsystem gegen unaushaltbare Gefühle'."
(Michael Schulte-Markwort, Benno Graf Schimmelmann: Kinderängste - Was Eltern wissen müssen)


"Der Grüffelo sagt zum Grüffelokind: 'Geh nie dort ins Dunkel, wo die Bäume sind!'
'Warum, warum?' - 'Dann kommst du nie wieder raus. Denn dort holt dich die große böse Maus. Einst traf ich sie', seufzt der Grüffelo schwer, 'doch das ist schon lange lange her'."

(Julia Donaldson, Axel Scheffler: Das Grüffelokind)

"Auch Eltern brauchen Mut, nämlich den Mut, ihren Kindern einen gewissen Freiraum zu lassen. Wenn ein Kind auf einen Baum klettert, würden wir am liebsten hinterher klettern, um es vor möglichem Schaden zu bewahren. Aber wir müssen bereit sein, den Kindern eigene Erfahrungen zu gestatten." 
(Rufus Beck: Kinder lieben Märchen ...und entdecken Werte)

"'Na los, Kokosnuss!', ruft Proselinde. Und zu Emma sagt sie leise: 'Der ist eigentlich ganz pfiffig, aber im Fliegen ist er keine große Leuchte. Und Höhenangst hat er leider auch.' Sie geht zu Kokosnuss hinüber: 'Na, was ist? Wir wollen hier nicht bis heute Abend warten!'
Kokosnuss wird es ganz schwindlig und der Schweiß bricht ihm aus. Da gibt Proselinde ihm einen Stups und er fällt erschrocken vornüber in die Tiefe."

(Ingo Siegner: Der kleine Drache Kokosnuss - Schulfest auf dem Feuerfelsen)



"Keinesfalls dürfen die Eltern einem schüchternen Kind alle Steine aus dem Weg räumen, es vor allen Situationen, die ihm Unbehagen bereiten, bewahren und es immer 'beschützen'. Gerade diese Kinder gewinnen ungemein an Selbstwertgefühl und Selbstsicherheit, wenn sie trotz ihrer Ängste Herausforderungen meistern und sich selbst überwinden.
(Michael Schulte-Markwort, Benno Graf Schimmelmann: Kinderängste - Was Eltern wissen müssen)


Die Liste aller hier verwendeten Bücher: 


Plötzlich ZombieElternkursbuchWickie der EntdeckerÄngste machen Kinder starkDie unendliche GeschichteKinderängsteDas GrüffelokindKinder lieben MärchenDer kleine Drache Kokosnuss


Fazit: 
Angst ist ein Gefühl, mit dem wir häufig zu kämpfen haben - das wir besiegen müssen, um aus der Ohnmächtigkeit und Hilflosigkeit zu gelangen. Um - genauso wie der kleine Wickie - wieder denken zu können und mit einer rettenden Idee unser Schicksal wieder zum Guten zu wenden.

Doch noch bevor wir die Angst auch tatsächlich besiegen, ist sie noch gänzlich da. Und sie macht uns Angst.
Dies ist meistens schwer auszuhalten. Und manchmal passiert es uns Eltern, dass wir im Familienalltag etwas überstürzt reagieren und Kindern sowie uns selbst Druck machen. "Fass den Mut zusammen!", "Sei stark!" oder "Du brauchst dich nicht zu fürchten" folgen, ohne dass wir genügend Verständnis und Mitgefühl aufbringen.


Vergessen Sie nicht den kleinen Wickie - Zuerst fand er keine Worte, dann hat er einen Schluckauf bekommen, bevor er noch ohnmächtig geworden ist - aber schließlich.... Und auf das "Schließlich" kommt es schließlich an, nicht wahr? 

Vielleicht ist es tatsächlich so, wie Maxim Gorki gesagt hat: "Angst ist für die Seele ebenso gesund wie ein Bad für den Körper"

Welchen Kinderängsten begnet Ihr zu Hause mit Euren Kindern? 

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