Rezension: Wie man sich die Welt erlebt

11/07/2012 06:50:00 vorm.

Das KunstAlltagsmuseum zum Mitnehmen mit Keri Smith gestalten

(ursprünglich erschienen auf www.erziehung-kreativ.com)

Kreativität im AlltagWie man sich die Welt erlebt


Wie man sich die Welt erlebt
Das KunstAlltagsmuseum zum Mitnehmen
von Keri Smith
(München, 2011)




Keri Smith


Keri Smith ist eine Autorin, Illustratorin und freischaffende Künstlerin. Sie lebt mit ihrem Mann und Sohn. In den letzten Jahren veröffentlichte sie mehrere Bücher, von denen einige auch auf Deutsch erschienen sind. Außerdem postet sie seit 2002 regelmäßig über Kreativität, das Künstlerinnendasein und Alltägliches in ihrem Blog.


Zum Inhalt des Buches:


Ich war mir lange Zeit etwas unschlüssig, ob sich dieses Buch an Erwachsene, Eltern oder Kinder richtet. Vielleicht hat dazu der Umstand beigetragen, dass ich es am Büchertisch für Kinder gefunden habe. Erst in der Mitte des Buches wird klar, dass das Buch für die etwas Größeren bestimmt ist. Nichtsdestotrotz sind alle Entdeckungsreisen durch den Alltag so konzipiert, dass man sie mit Kindern gemeinsam durchführen kann, wenn man es so will.

 

Aufbau des Buches: Raum für eigene kreative Alltagserfahrungen


Der Leser wird aufgefordert das Buch nicht von Anfang bis zum Ende zu lesen, sondern kreuz und quer. Im hinteren Teil findet man Formulare, Listen und Protokolle, in die man eigene Forschungsbeobachtungen und Erlebnisse notieren kann, um so das Erfahrene zu visualisieren und bewusst verarbeiten. Das ist sehr praktisch, denn eine Beschäftigung mit dem Gelernten, eine optimale Visualisierung und das schriftliche Festhalten unterstützen den Lernprozess. Das Lernen an sich steht in diesem Buch zwar nicht im Vordergrund, lässt sich aber meistens nicht vermeiden.


Spätestens in der Schule und noch mehr in der Arbeitswelt wird die Richtigkeit unserer Antworten gefragt. Dieses Buch nimmt dem Leser solchen Druck ab, denn es fördert den eigenen kreativen Prozess. Die Autorin weist darauf hin, dass alle Übungen offen für jegliche Interpretation sind. Es gibt also keine Richtig -oder Falsch-Antworten - nur die Neugierde und Lust am Experimentieren, die Erwachsene genauso wie Kinder ergreift. Anstatt von Regeln findet man Vorschläge für Experimente - und von denen gibt es ganze 59.

"Alles ist interessant. Schau einfach genauer hin", rät Keri Smith und fasst den Alltagserforschungsprozess in fünf klaren Begriffen zusammen: „Beobachten - Sammeln - Analysieren - Vergleichen - Muster wahrnehmen“.


„Kreativität entsteht aus unserer Fähigkeit, Dinge aus vielen unterschiedlichen Blickwinkeln zu betrachten.“
 Keri Smith, 2011, S. 19


Leider - wohl um die Kreativität zu betonen - ist das Buch gänzlich in handschriftlichen Blockbuchstaben geschrieben, was es etwas weniger leserfreundlich wirken lässt. Allerdings sind die Texte nicht sehr lang, also stört diese optische Gestaltung nicht allzu sehr.



Meine Lieblingsaufgabe aus dem Buch: 


"ZUFALLSKUNST
GEH NACH DRAUSSEN: IDENTIFIZIERE UND DOKUMENTIERE VORHANDENE 'KUNSTWERKE', DIE DU ENTDECKST - DINGE, DIE NICHT MIT ABSICHT GEMACHT WURDEN. DAS KÖNNTEN ZUM BEISPIEL FLECKEN AUF DEM GEHSTEIG SEIN."
(aus dem Buch von Keri Smith, 2011) 


FAZIT:  
Zugegeben - anfangs, als ich dieses Buch in die Hände bekam, war ich etwas skeptisch. Doch hinter den Texten und den Ideen verbirgt sich fundiertes fachliches Wissen und motivierende Inspiration für eigene kreative Streifzüge durch den Alltag. Offenes Denken steht dabei im Vordergrund. Dieses Buch bietet Euch Inspiration, Anregung und kurze Anleitungen für Eure Experimente.
Warum sich also nicht hier und da Keri Smiths Aufforderung anschließen und die Dinge mit allen unseren Sinnen bis zu ihrem Ursprung zurückzuverfolgen?




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