Sich zum Kochen und Genießen inspirieren lassen

11/27/2012 01:14:00 nachm.

Im Gespräch mit mir Patrizia Vrabel-Cirillo über die Kreativität in der Küche

 

Im Gespräch über das Kochen



Patrizia ist eine gute Freundin von mir und außerdem eine ausgezeichnete Köchin. Mit ihrer Begeisterung fürs Kochen schafft sie es ganz locker, mich zu mehr oder weniger erfolgreichen Versuchen in der Küche zu motivieren.

Deshalb fasste ich bereits vor längerer Zeit den Entschluss, Patrizia zu einem Gespräch über Kreativität, Kinder ... und Kochen einzuladen. Das Interview fand gar nicht in einem schicken Restaurant oder Cafe statt, sondern auf einem Kinderspielplatz unweit der Praterallee. Zum Essen gab es Äpfel, Trauben, Bananen und Hirsebällchen.



>>> Du kochst gerne?

Jaaa... ich habe das Kochen schon als Kind für mich entdeckt. Mein Vater hat eine Pizzeria gehabt und der Küchenbetrieb gehörte zu unserem Familienalltag. Ich habe immer mitgeholfen – als kleines Kind schon. Ich konnte selber den Teig machen und die Pizza bele¬gen. Das hat mir schon damals Spaß gemacht.


>>> Wie hast du die Küche an sich als Kind erlebt?

Im Restaurant war es spannend. Die Küche zu Hause war der Ort meiner Mutter. Meine Mama hat es gerne gesehen, wenn ich ab und zu beim Backen oder beim Keksemachen geholfen habe. Ich bin sehr oft in der Küche gesessen und habe meiner Mutter zugeschaut. Sie hat gekocht und ich habe daneben gemalt.
Eine Küche ist für mich das Zentrum einer Wohnung. Da fühlt man sich wohl, man sitzt um den Tisch – die ganze Familie. Ich wollte als Kind, selbst wenn ich nicht mitgekocht habe, in der Nähe meiner Mutter sein.
Die Gerichte bei uns zu Hause waren hauptsächlich österreichische oder italienische Hausmannskost. So wie man es gewohnt ist – jeden Sonntag gab es Schnitzel.


>>> Wie erlebst Du das Kochen heute?

Als Arbeit vorwiegend. Allerdings mit Begeisterung – ich darf Gott sei Dank das arbeiten, was mir Freude macht. Man darf beim Kochen seiner Kreativität freien Lauf lassen. Ich experimentiere gerne viel mit Gewürzen oder spiele beim Anrichten mit den Farben. Es gefällt mir, wenn ich das Künstlerische am Teller darbringen kann. Ich liebe das Kochen.


>>> Was kochst Du am liebsten?

Das kann ich gar nicht so einfach beantworten. Allerdings weiß ich, was ich gar nicht gerne mache – Backen. Es liegt mir auch nicht, wenn ich mich pedantisch an Rezepte halten und alles abwiegen muss. Das ist eher nicht so meins.
Am liebsten koche ich einfach los. Ich glaube, das habe ich im Blut. Ich kreiere gerne selbst. Ich habe zum Beispiel ein Erdbeerrisotto erfunden. Im Restaurant meines Vaters haben wir es dann angeboten und es ist sehr gut angekommen. Für mich ist es sehr wichtig, neue Dinge auszuprobieren.



>>>Wann hast Du angefangen in der Küche Deine eigenen Sachen auszuprobieren?

In der Hotelfachschule durfte man so etwas nicht. Da musste ich meine ganze Kreativität unterdrücken. Nein – in der Schule war so etwas un­möglich!
Zu Hause habe ich aber beim Ko­chen herumexperimentiert. Es ist zwar nicht immer gelungen, aber Übung macht den Meister.


>>>Du hast vor kurzem deine Aus­bildung zur Trainerin abgeschlossen.

Ja, ich mache mich gerade selb­ständig und möchte nicht nur Catering für Brötchen machen, sondern auch Mittagessen anbieten. Bei mir soll es einen geeigneten Raum für Kochkurse geben, in denen jeder seine Freude am Ko­chen entdecken kann. Und natürlich dürfen auch Themennachmittage für Kinder nicht fehlen. Zum Beispiel jetzt in der Weihnachtszeit wäre das Keksebacken mit den Kindern ange­sagt.

Bei mir sollen Kinder das Essen während der Zubereitung in der Kü­che erleben – und natürlich dürfen sie es anschließend auch selbst genießen!

Es erscheint mir in der heutigen Zeit wichtig, dass Kinder erlernen, wie man mit Essen umgeht. Sie sollten die Erfahrung machen, dass man auf Fertigmischungen nicht angewiesen ist, sondern dass man vieles selber machen kann. Die frische Ware berührt unsere Sinne vielfältiger – alles duftet, fasst sich gut an, es macht Freude es zuzubereiten.


Sinne beim Kochen


>>> Was kann man Kindern in der Küche zutrauen?

Na ja, jedes Kind ist unterschiedlich. Also meine Kinder haben mit drei Jahren angefangen mitzukochen. Natürlich haben sie nicht als aller­erstes scharfe Messer in die Hand bekommen.


>>> Haben Deine Kinder schon etwas alleine gekocht?

Ja, mein Sohn hat ganz alleine eine Eierspeise zubereitet. Sie war etwas versalzen, aber natürlich haben wir sie gegessen und ihn gelobt.

Meine Tochter richtet manchmal ganz alleine den Salat an.


>>> Du kochst ja sehr viel, auch beruflich. Für uns Eltern ist es meistens so, dass wir nicht immer wissen, was wir kochen sollen. Hier und da kochen wir einfach nur, damit unsere Familie etwas zu essen bekommt. Passiert es Dir auch?

Nein. Es ist nur – im Weihnachts­geschäft – wenn wirklich unter der Woche viel zu tun ist, dann muss ich nicht unbedingt auch am Wochen­ende kochen. Aber dann bekocht mich auch mal mein Mann und es stehen eine Zeit lang slowakische oder tschechische Spezialitäten am Speiseplan.

Aber sonst koche ich sehr gerne. Und wenn ich am Markt oder im Su­permarkt bin und die frischen Arti­schocken sehe (oder anderes saisonales Gemüse eben), dann schwirren mir schon Ideen im Kopf herum, und ich eile nach Hause und koche.


>>>Wo nimmst Du deine Inspira­tion in der Küche?

Wie gesagt – beim Spazierengehen durch die Stadt. Oder wenn ich eine Zeitschrift durchblättere und irgendein unbekanntes Gericht sehe. Das will ich dann eben kosten und koche es nach.


>>> Hast Du schon mal etwas ge­kocht, das Dir nicht geschmeckt hat?

Ja, Hirn mit Ei. Das war damals in der Hotelfachschule. Wir mussten es wirklich probieren.


>>> Kochst Du für Deine Familie auch Sachen, die Dir persönlich weniger schmecken?

Kaiserschmarrn, Palatschinken... Ich mag keine Süßspeisen. Ich bin eher die Käse und Brotabteilung.

Aber die Frage ist berechtigt. Bei Speisen, die einem selbst nicht schmecken, neigt man dazu, sie den Kindern gar nicht anzubieten. Manchmal ist es Schade.
Wir waren zum Beispiel eines Tages zu Besuch bei einer Freundin. Da hat es Rosinen gegeben. Meine Kin­der haben sich die Rosinen regel­recht reingestopft. Für mich war das eine Überraschung. Ich bin nie auf die Idee gekommen, ihnen so etwas anzubieten, da ich keine Rosinen mag.

Aber eigentlich sollte man den Kindern solche Speisen nicht vor­enthalten.


>>> Was würdest Du Eltern empfehlen, die mit Kindern kochen?

Ich finde es gut, wenn Lebensmittel aus der Region beim Kochen verar­beitet werden. Da achte ich sehr darauf. Auf Eierschwammerln aus Litauen kann ich verzichten.

Aber vor allem ist es wichtig, dass man hier und da die Gerichte ge­meinsam mit den Kindern zubereitet und sie auch gemeinsam als Familie isst. Das Miteinander erlebe ich als sehr wichtig in meiner Familie. Kin­der müssen natürlich nicht alles ma­chen, aber es ist schön, wenn sie dennoch in die Zubereitung mit ein­bezogen werden.

Ich würde noch empfehlen, auf Fertigprodukte zu verzichten. Nur selten haben diese wirklich aus­reichend Nährstoffe.


>>>Bist Du erfolgreich bei Dir zu Hause, wenn Du versuchst gesunde Küche durchzusetzen? 

Ich habe einen Trick. Gerichte die Kinder gerne essen – Pasta Bolognese zum Beispiel – da mixe ich Sellerie, Karotten, jedes mögliche und unmögliche Gemüse und rühre das unter das Faschierte, dass man
es nicht mehr sieht, aber sie haben trotzdem die Vitamine.

Manches, was als gesund gilt, wird angenommen. Aber manches nicht.


>>>Wo streiken deine Kinder, wenn es ums Essen geht?

Meine Tochter bei Obst und mein Sohn bei Gemüse.


>>>Und was sind ihre Lieblings­speisen?

Pasta und Pizza.


>>> Wie hast Du deine Kinder beim Essen erlebt, als sie noch ganz klein waren?

Ja – diese Zeit ist manchmal schwierig. Am Anfang lernt man die persönlichen Vorlieben der Kinder noch kennen. Zum Beispiel mein Sohn hat im Säuglingsalter orangenfarbene Pürees bevorzugt. Das Grüne hat er mir jedes Mal zurückgespuckt. Bei meiner Tochter war es dann genau umgekehrt. Die wollte das Orangene absolut nicht, aber dafür hat ihr das Grüne sehr gut geschmeckt.


>>>Das heißt, dass Du zu der Zeit nach Farben gekocht hast?

Irgendwie schon. Ich glaube, Kinder sprechen auf Farben an. Wenn sie allerdings älter sind, schrecken sie häufiger davon ab, wenn manche Lebensmittel plötzlich andere Farbe haben, als sie sollten. Zum Beispiel wissen sie, dass ein Kuchen entwe­der aus dunklem Teig (Schokolade) oder aus einem helleren gemacht ist. Ist der Kuchen aber mit Lebens­mittelfarbe gefärbt und mit einem Mal grün und blau, schreckt es manche Kinder ab.

In dem Alter, wenn Kinder selber zu essen beginnen oder noch gefüttert werden, da dürften Farben eine große Rolle spielen.


>>>Wie geht es Dir, wenn Du etwas kochst und Deine Kinder mögen das nicht?

Das ist mir schon öfters passiert. Und ich war fünf Stunden bei der Zubereitung gestanden. Allerdings habe ich das nur gekocht, weil ich es kosten wollte und dabei habe ich gar nicht bedacht, ob es bei den Kindern auch Anklang findet.

Anschließend war ich traurig, weil die Mühe umsonst war und ich bloß zu hören bekommen habe: „Weh was ist das? Gib das Grüne raus!


>>>Wie ist es für Dich als Mutter, wenn Du deine Kinder in der Küche siehst?

Für mich ist es schön die Begeiste­rung für das Kochen und für das gemeinsame Essen zu teilen. Ich habe meine Kinder wirklich gerne bei mir in der Küche.


>>>Was hast Du das letzte Mal mit den Kindern gemeinsam gekocht?

Da haben wir gemeinsam ein Kes­selgulasch mit Eierschwammerln gemacht. Meine Tochter hat die Eierschwammerln gesucht, gefunden und gewaschen. Ich habe die Zwie­beln geschnitten und mein Sohn war für den Speck zuständig. Papa hat Feuer gemacht und die Kinder ha­ben das Essen gemeinsam mit uns zubereitet.


>>>Das klingt nach einem span­nenden Erlebnis. Ist es Dir wichtig beim Kochen, dass man etwas er­lebt?

Wichtig nicht unbedingt, aber ich finde es einfach eindrucksvoller. Im Beruflichen ist das Show-Cooking natürlich ganz angesagt.


>>>Was machst Du am liebsten?

Das Kochen an sich – und das Essen nachher. Mit Gewürzen expe­rimentieren macht mir am meisten Spaß.


>>>Wie viele Gewürze hast Du denn zu Hause?

Einige. Dreißig verschiedene könnten schon hinkommen.


>>>Gibt es ein Lebensmittel, das Du gerne kosten würdest, aber noch nicht gekostet hast?

Nein – ich beschaffe mir immer das, was ich ausprobieren will. Jetzt inte­ressiert mich die Molekularküche – das würde ich gerne probieren.


>>>Wenn Du am Markt spazierst und an einem Gemüsestand vorbei gehst, siehst Du da Sachen, die Du nicht kennst?

Ja. Da gibt es so einiges. Manchmal werde ich von neuen Kräuter­pflanzen überrascht. Trotz meiner Erfahrung kann ich mich immer noch wundern, wie Schafgarbe aussieht, oder wie frischer Bockshornklee riecht. Es gibt jetzt so viel Neues. Alles kann man nicht kennen.


>>>Greifst Du zu unbekannten Sa­chen auch beim Kochen?

Das interessiert mich sehr. Dann kann ich experimentieren - wie schmeckt diese Speise mit dem be­stimmten Gewürz, wie harmoniert das Ganze mit Reis oder mit Cous­cous? So unterschiedliche Kombina­tionen wecken meine Neugier. Das Ausprobieren macht richtig Spaß.


>>>So wie Du darüber sprichst, scheint mir das Kochen, sehr viel mit Kreativität zu tun zu haben. Ver­mutlich ist aber auch sehr viel Pla­nung und Organisation dabei, nicht wahr?

Massenweise. Nicht nur im Beruf, auch als Hausfrau und Mutter gehört jede Menge Vorbereitung dazu. Wenn man nicht die richtigen Sa­chen vorher einkauft, oder sich keine Gedanken macht, was man über­haupt kochen möchte, wird alleine die Zubereitung vom Abendessen eine mühsame Angelegenheit wer­den. Es ist häufig empfehlenswert bereits beim Einkaufen zu bedenken, welches Essen man aus dem Übrig­gebliebenen für den Tag danach zubereiten könnte. Viele Reste können einfach noch weiter ver­wertet werden.


>>>Gibt es einen abschließenden Gedanken, den du an Eltern gerne weiter geben würdest?

Ich finde super, dass es Eltern gibt, die mit ihren Kindern kochen. Für mich ist es selbstverständlich. Aber es ist nicht immer so üblich, dass man kochen kann oder will. Für manche ist es das Schrecklichste überhaupt.

Man sollte das als ein gemeinsames Spiel gestalten, damit Kinder die Erfahrung machen, dass Kochen wirklich Spaß machen kann. Es ist so ähnlich wie bei anderen Be­schäftigungen mit Kindern, beim Spielen oder beim Malen – und hier wird eben gemeinsam gekocht und nachher als Familie auch gemein­sam gegessen.

Darum rate ich allen Eltern, dass sie – wenn möglich – ihre Kinder beim Kochen mit einbeziehen. Kleine Auf­gaben, die die Kinder selbständig erledigen können, finden sich meis­tens.







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