Rezension: Wie man ein Kind erzieht, ohne es zu tyrannisieren

10/20/2012 10:07:00 nachm.


Wie man ein Kind erzieht, ohne es zu tyrannisieren – 29 Regeln für eine kluge Erziehung – Rolf Arnold


(Carl-Auer-Systeme Verlag, 2011)


Zum Autor

Rolf Arnold studierte Pädagogik und promovierte an der Uni Heidelberg. Ich lernte seine Ansichten kennen, als ich vor ein paar Jahren über seine Einführung in die systemische Pädagogik gestolpert bin. Er widmet sich den Bereichen Erwachsenenbildung, Systemische Pädagogik, sowie Emotionen, Lernen und Schulentwicklung.


Zum Inhalt des Buches


Mit seinem Buch „Wie man ein Kind erzieht, ohne es zu tyrannisieren“stellt sich der Autor einseitig formulierten Erziehungsratschlägen in den Weg. Er rückt unsere Aufmerksamkeit von populären Äußerungen, die in manchen heutigen Erziehungsratgebern oft zu lesen sind, wieder zurück zum eigentlichen Thema und betont die Wichtigkeit der Beziehung zum Kind.

Alle „wirksamen Erziehungsmaßnahmen“ sind in „ihrem Kern stets auf die Gestaltung der Beziehung gerichtet“, schreibt er, warnt aber dennoch davor die Erziehung als eine rein „partnerschaftliche Beziehung zu verstehen“.

Aufbau des Buches

Rolf Arnold lehnt die allgemein verbreitete Hilflosigkeit in der Erziehung ab und vertritt die Meinung, dass selbst wenn es nicht möglich ist, allgemeingültige Regeln aufzustellen, so könne Pädagogik dennoch Antworten liefern, um den Eltern eine Richtung zu weisen.

Und wie der Titel dieses Werkes schon verrät, sollen uns 29 Regeln helfen, mit Bedacht zu erziehen. Die Gliederung des Buches sowie das Inhaltsverzeichnis bieten einen raschen Überblick über die wesentlichen Themen.


29 Regeln für kluge Kindererziehung nach Rolf Arnold:


  1. Geh an den Punkt deiner Liebe (zum Kind)
  2. Unterbinde Gewalt durch bestimmtes Auftreten
  3. Wenn du sanktionieren oder strafen willst, dann führe zunächst den Strafbarkeitscheck durch!
  4. Lebe die Werte, die dein Kind (er)leben soll!
  5. Reagiere nicht adäquat, sondern äquivalent!
  6. Suche stets nach dem Eindruck hinter dem Ausdruck!
  7. Arbeite mit überraschenden Reaktionen!
  8. Reagiere besonnen und bleibe konsequent!
  9. Schmiede Gefühle, wenn sie kalt sind!
  10. Ziele mit deiner Erziehungsmaßnahme auf das Verhalten, nicht auf die Person!
  11. Übe konsequente Erziehung!
  12. Übe dich in erzieherischer Präsenz – dem Garant erzieherischer Wirksamkeit!
  13. Finde heraus, was dein Kind von seinen Hausaufgaben abhält!
  14. Reguliere den Fernseh- und PC-Konsum deines Kindes
  15. Lass dich nicht zu Käufen zwingen, um peinliche Situationen zu vermeiden!
  16. Wenn Du nicht mehr weiter weißt, geh auf eine Wanderung mit deinen Erziehungsgrundsätzen und benutze den Erziehungsreflektor!
  17. Was dich ärgert, ist nicht das Verhalten deines Kindes, sondern deine Interpretation dieses Verhaltens
  18. Arbeite mit Denkfragen, nicht mit Lenkfragen!
  19. Geh stets durch alle Stockwerke eines Erziehungsproblems!
  20. Nutze B-Vitamine: Bindung, Begrenzung, Begleitung und Bildung
  21. Lass dein Kind bisweilen im Mittelpunkt stehen! Schärfe deinen liebenden Blick!
  22. Verbessere die heimlichen Erziehungswirkungen des Umfeldes, in dem deine Kinder heranwachsen
  23. Halte auch Distanz zu deinen Kindern: Erziehung lebt von Nähe und Distanz!
  24. Unterstütze Kinder und Jugendliche in ihrer Fähigkeit zur Selbsterziehung, indem du deine Idealisierung und Befürchtung zu durchschauen lernst!
  25. Meide die Sackgassen der Erziehung!
  26. Übe dich im Erziehungsgespräch
  27. Entkomme der Selbstüberforderung und nutze die Vielfalt der Welt!
  28. Arbeite mit Ermutigung und vermeide Disziplinierung!
  29. Vermeide und korrigiere Überreaktionen!

Wer mehr darüber herausfinden möchte, was genau hinter all diesen Ratschlägen steht, muss das Buch schon selber lesen. So erfährt man zum Beispiel im Kapitel 10 etwas mehr darüber, wie man "eine gute Konfliktkultur" schafft, und im Kapitel 25 werden 4 Fehler in der Erziehung vorgestellt, gemeinsam mit einem Hinweis, wie man su derartigen Situationen wieder herauskommt.



Mein Lieblingszitat aus dem Buch: 

Kinder "müssen sich abgrenzen, um ihre eigene Wertorientierung zu entdecken, die sie ihrem Denken, Fühlen und Handeln zugrunde legen können."
(Rolf Arnold, 2011, 32)

Fazit:

Der Erziehungsratgeber von Rolf Arnold gehört zu jenen, die man weiterempfehlen kann. Ich habe beim Lesen des Buches immer den Eindruck gehabt, als ein kompetenter selbstbestimmender Leser angesprochen zu werden. Obwohl dieser Ratgeber auf einfache Erziehungsrezepte verzichtet und uns Eltern eher zum selbständigen Nachdenken bewegt, gibt er dem Leser so einiges mit auf den Weg, was selbst im Alltag weiter hilft.

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