Sind Noten wirklich alles? - Einige Gedanken zum Schulstart

5/25/2012 12:19:00 nachm.

Was alternative Beurteilungsformen tatsächlich Kindern bringen...


Zeugnis Kinder Schulnoten

Im September ist es dann so weit. Unsere Sechsjährige wird eingeschult. Es gibt so manches, worauf sie sich freut – da wären die Gelegenheit endlich herauszufinden, was es mit den Buchstaben auf sich hat, und der Umstand beim Spielen im Garten nicht mehr zu den „Kleinen“ gezählt zu werden. Und es gibt auch so einiges, wovor sie sich möglicherweise fürchtet - das unbekannte Umfeld, das sie erwartet, die zum Teil ganz neuen Klassenfreunde, der Abschied vom Kindergarten, sowie der Umstand, dass sie nicht mehr zu den „Kleinen“ gezählt wird.

Was meine Tochter hingegen noch vollkommen in Ruhe lässt, ist der Umstand, WIE ihre Leistung in der Schule beurteilt wird. Nicht so ihre Mutter und andere Eltern, die sich gestern zu einer langen Diskussion über den Sinn der Schulnoten trafen.



Kinder brauchen keine Noten – aber sie brauchen eine Beurteilung


In der Schule zählt nicht nur der Spaß am Lernen, sondern auch die tatsächliche Leistung, die erzielt wird. Diese messbar und vergleichbar zu machen ist eine richtige Herausforderung für Lehrer. Seit mehr als 200 Jahren verlässt man sich dabei auf die Schulnoten. Tradition, mit der zu brechen, schwer fällt.



Noten haben den Vorteil, simpel und plakativ zu sein. Doch das ist zugleich auch der größte Nachteil dieser Methode. Zwar bieten Noten eine schnelle Orientierung, doch schränken sie unsere Wahrnehmung viel zu sehr ein. Eine „Zwei“ kann kaum alle Facetten der erforderlichen und geleisteten Leistung bei einem Deutschaufsatz erfassen und so selbsterklärend ist sie, wie auf den ersten Blick vermutet, für den Betrachter auch wieder nicht.

Hier finden Sie einen kurzen Überblick über drei Arten der derzeit in Wien erprobten alternativen Beurteilungsformen 



Mehr über Vorteile der alternativen Leistungsbeurteilung in der Grundschule:


Selbständigkeit wird angeregt und das selbstgesteuerte Lernen erlernt

Die Schüler werden im Sinne des „selbstgesteuerten“ Lernens angehalten, ihre eigene Leistung einzuschätzen und reflektieren. Das ist ein wesentlicher Teil des Lernprozesses und der Entwicklung, der dadurch auch in der Grundschule eine Umsetzung findet (vgl. Broschüre Schulversuche und Schulentwicklung, 14ff)

Ziele und Leistung werden transparent gemacht


Mit Hilfe der alternativen Leistungsbeurteilung wird sichtbar, welche Ziele eigentlich Kinder in welcher Schulstufe zu erreichen haben – und das nicht nur für Eltern. Auch Kindern wird bewusster, welche Arbeit sie im Laufe des Schuljahres erbracht haben und was sie alles gelernt haben.

Die Bewertung erfolgt persönlicher und Lehrer können auf die Besonderheiten der einzelnen Schüler individueller eingehen.

Diese Form der Leistungsbeurteilung gibt auch in der Schule der Individualität einen Raum.

In Kürze kann man diese Vorteile in drei Wörtern zusammenfassen:
persönlich, transparent, nachhaltig



Welche Kriterien sollte eine gute Beurteilung der schulischen Leistung erfüllen (aus der Sicht des Kindes)?

  1. Eine effektive Schulbeurteilung sollte die Selbsteinschätzung des Schülers verbessern und ihn zu weiteren Leistungen motivieren.

    Für Kinder sollte also ersichtlich sein, welche Leistung gefordert war. Zu hören, was sie gut gemacht haben oder in welchen Bereichen sie noch Entwicklungspotenzial haben, hilft ihnen beim weiteren Arbeiten.
  2. Eine Rückmeldung an den Schüler sollte im Idealfall so erfolgen, dass auch andere Schüler daraus etwas für sich mitnehmen können. Das Besprechen der Übungs- oder Testergebnisse in der Klasse spielt demnach eine große Rolle, da es weitere Möglichkeiten bietet, das gelernte zu vertiefen.
  3. Die Schulbeurteilung sollte die Kommunikation zwischen Schüler – Lehrer – Eltern anregen und vertiefen. So wird nicht nur ermöglicht, dass der Schüler weitere Tipps erhält, in welchem Bereich er sich wie verbessern kann, sondern auch die Lehrer erfahren mehr darüber, wie die Klasse als ganze die Inhalte verarbeitet hat und wo es vielleicht noch unklare Fragen gibt.

Hans Brügelmann
formulierte es in seinem Interview in der Zeitschrift Bildung & Wissenschaft aus dem Jahr 2006 so:
„Schüler brauchen keine Pauschalbewertungen sondern differenzierte Rückmeldungen: Wo habe ich Schwierigkeiten und was kann ich tun, um diese zu überwinden.“

Fazit:

Eine Beurteilung ihrer Leistung spielt für Kinder eine wichtige Rolle - sie bekommen dadurch nicht nur einen für die weitere Entwicklung notwendigen Feedback, sondern machen darüber hinaus die Erfahrung, dass sie sich selbst realistisch einschätzen und den weiteren Lernprozess positiv beeinflussen können.

Die Kommunikation der Ergebnisse und somit auch das Gespräch zwischen Lehrer – Kind – Eltern bleiben wesentlich, egal welche Form der Leistungsbeurteilung in der Schule gewählt wird.

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Auch die Leistung von uns Erwachsenen wird oft von anderen oder auch von uns selber beurteilt. Deswegen meine heutige Frage an Sie: 

Welcher Feedback war für Sie am meisten hilfreich? 

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