Kinder im Internet - Chance oder Gefahr?

5/04/2012 12:27:00 nachm.


Aus dem Nebenzimmer gelangen aufgeregte Stimmen, quietschende und andere schrillen Geräusche zu mir. Meine Kinder haben das Internet für sich entdeckt. Selbst meine Tochter, die noch nicht schreiben kann, brauchte nur kurze Zeit, um zu verstehen, dass sie alle Buchstaben, die am Fernsehbildschirm aufscheinen und durch zwei Punkte getrennt werden, abmalen muss, um noch mehr Spaß im World Wide Web zu erleben. 

Im letzten Beitrag habe ich von meinem Stolpern durch das Land der Internetkommunikation berichtet. Die Frage, die ich mir heute stellen möchte, ist: Wie können wir Kinder unterstützen, wenn sie sich auf Entdeckungsreisen durch diverse mehr oder weniger kindergerechte Webseiten machen?

Kinder Internet Regeln

Kinder können das Internet sinnvoll nutzen

Ein Bildwechsel: Mein Sohn rutscht ungeduldig auf dem Sofa hin und her. Er braucht dringend Fotos und „etwas“ über den Wiener Ring für den morgigen Sachunterricht. Viel Erfahrung mit Google hat er noch nicht. Das erste Ergebnis, das wir in der endlos langen Liste anklicken, ist Wikipedia. Ich freue mich, dass wir so schnell fündig geworden sind, M. weniger. Es fehlt ihm schwer sich auf dem Bildschirm zu orientieren und er weiß noch nicht so recht, was er nun mit den vielen Informationen anstellen soll. Als ich ihn bitte, mir den Text laut vorzulesen, wird schnell klar – Wikipedia ist für Erwachsene gemacht!

Etwas über die Welt erfahren – Das Internet als Wissensquelle für Kinder

Die Zeit um den Schuleintritt herum ist eine, in der sich Kinder ausgiebig mit der Welt um uns herum beschäftigen. Sie entdecken, experimentieren, und die Suche nach Antworten ist für sie in dieser Zeit von elementarer Bedeutung (Kinder dursten nach Selbertun). Spätestens seit Wikipedia können wir das Internet als die wichtigste Informationsquelle. Kinder, die sich mit Fragen ans Internet wenden, können hier fündig werden. Aber auch das Suchen an sich will erst entdeckt und erlernt werden.

Ein Teil der Gemeinschaft sein: Das soziale Netzwerken für Kinder

Ein wichtiges Thema im Kinderalter ist die Zugehörigkeit zu einer Gruppe. Es ist eine elementare Erfahrung, ein Teil von etwas größerem zu sein. Kinder müssen die sozialen Regeln erlernen, die in Gruppen gelten und das soziale Miteinander auch im späteren Leben ermöglichen. Fragen danach, was von den anderen Mitgliedern in der Gruppe akzeptiert wird, welche Fähigkeiten gefragt sind, oder welches Verhalten nicht erlaubt ist, werden aktuell. Natürlich hat das Ringen um soziale Anerkennung Grenzen – ein bestimmtes Gleichgewicht zwischen den Gruppenanforderungen und den individuellen Eigenheiten ist wichtig.

Tatsächlich spielen soziale Netze im Leben der Kinder eine wichtige Rolle – offline wie online. Das betont auch die Zeitschrift beziehungsweise in ihrer Ausgabe von April 2012. Hier heißt es: „Auch bei den Kindern (6-19 Jahre) sind communities von besonderer Bedeutung. Facebook zählt für jeden Dritten zu den beliebtesten Seiten.“

Auch Kinder dürfen spielen

Die Interaktion in Spielen, Simulationen und Rollenspiele verleihen nicht nur einem Kind das Gefühl, dass es tatsächlich etwas erlebt. Diese Beschäftigung bietet aber auch eine Möglichkeit Lerninhalte, die sonst vielleicht zu abstrakt wären, im Spiel umzusetzen und so zum Beispiel Mathematik zum Lösen von Rätseln zu benutzen. 

Trotzdem gerade der letzte Punkt birgt Gefahren in sich. Kann es nicht sein, dass die Vorstellung ein begabter Schatzsucher zu sein, für Kinder so verführerisch wird, dass sie die Onlinewelten den tatsächlichen realen Spielerfahrungen vorziehen? 


So können Eltern ihre Kinder beim Surfen im Internet unterstützen:



Gut: Sprechen Sie mit Kindern über Ihre Sorgen, die das Internet betreffen. Das ist hilfreicher, als diesen technischen Fortschritt von vornherein zu verbieten. Ein Gespräch kann das gegenseitige Verständnis vertiefen, aber vor allem eine Basis schaffen, sollten Ihre Kinder später bei Problemen einen guten Ansprechpartner brauchen.

Vorbeugen: Bevor Sie Ihren Computer den Kindern überlassen, legen Sie gemeinsam eine eigene Desktopoberfläche (Benutzerkonto) an. Das hat den Vorteil, dass die PC-Umgebung für Kinder übersichtlich gestaltet werden kann. Im Internet können Sie gemeinsam mit Ihrem Kind eine Favoritenliste mit kindergerechten Lieblingsseiten gestalten. Erklären Sie Ihrem Kind, wie es mit einer derartigen Liste arbeiten kann und wie es neue Seiten hinzufügen kann. Windows 7 bzw. externe Programme bieten weiter die Möglichkeit an, den Jugendschutzfilter zu aktivieren. 

Aufklären: Erklären Sie Ihrem Kind, dass es im Internet Viren gibt und was diese anrichten können. Vereinbaren Sie gemeinsam, welche eMails Ihr Kind alleine öffnen darf, und wie Ihre Regeln für das Herunterladen von Inhalten oder die Teilnahme an Gewinnspielen sind. 

Unterstützen: Wie mein oberes Beispiel zeigt, sind viele Seiten für Erwachsene gestaltet und eignen sich nur beschränkt für Kinder. Und so können Kinder beim Surfen eher entmutigt werden und das Gefühl bekommen, nicht gut genug zu sein - ein derartiger Eindruck der eigenen Unzulänglichkeit und Schwäche ist hinderlich für die Entwicklung eines gesunden Selbstbewusstsein. Versuchen Sie Ihr Kind so zu begleiten, dass es möglich selbständig arbeiten kann. Einen guten Dienst können spezielle Suchmaschinenund Webkataloge für Kinder leisten.  


Worauf Eltern achten sollten

FAZIT:
Das Internet an sich ist weder gut noch schlecht. Es bietet zahlreiche Chancen und praktisches Nutzen auch für Kinder, aber es birgt eben auch Gefahren, die vor allem für Kinder nicht sofort ersichtlich sind. Eine ausgewogene Reaktion von uns Eltern erscheint mir wichtig. Einerseits sollten wir einen positiven Bezug der Kinder zu dieser riesigen Informationsquelle fördern und ihnen zeigen, wie sie sich im Internet sicher bewegen können. Andererseits sollten wir Kinder über die Risiken aufklären und sie nicht ohne Halt den grenzenlosen Cyberwelten überlassen. 


Und wie geht es Ihnen mit dem Thema Kinder im Internet?

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