Warum Familien Rituale gut gebrauchen können


Ein Plädoyer für mehr Rituale im Familienalltag

Rituale im FamilienalltagVor etwa 13 Jahren um diese Jahreszeit herum spazierte ich mit zwei Freunden durch Prag und wir sprachen über die Rituale in unserem Leben, die dafür sorgten, dass wir uns jedes Jahr zur bestimmten Zeit an gewohnten Orten trafen und uns nicht aus den Augen verloren, obwohl wir in unterschiedlichen Städten und Staaten lebten. 

Doch die Rituale aus der Jugend auch später zu erhalten ist schwer. Die Lebensumstände ändern sich vielfältig, vor allem wenn Kinder auf die Welt kommen, und so bleibt für alte Rituale wenig Raum. 

Es ist nicht lange her, da habe ich festgestellt, dass ich nur sehr wenig Zeit mit dem Lesen von Büchern verbringe, obwohl es früher zu meinen Lieblingsbeschäftigungen gehört hat. Der Grund dafür war, dass sich mein Alltag in den letzten Jahren so sehr verändert hat, dass die Situationen, in denen ich früher nach einem guten Buch gegriffen habe, praktisch nicht mehr vorhanden sind.

Ich wünsche mir nun, mehr Zeit für Lesen zu finden. Aber wie schafft man es in den Familienalltag neue Rituale zu integrieren?


Was Rituale können...


Rituale kann man als Vorgänge sehen, die regelmäßig zur gewohnten Zeit oder in gewohnten Situationen und nach einem bestimmten Schema ablaufen und die durchaus eine symbolische Bedeutung haben. Wie schwer es ist, sie gänzlich von Gewohnheiten zu trennen, habe ich beim Schreiben dieses Textes mitbekommen. Tatsächlich werden aus so manchen Ritualen Gewohnheiten und in vielen Bräuchen steckt etwas Rituelles. 

Zu den persönlichen Ritualen gehören der Kaffee am Morgen, die Begrüßung mit der Familie genauso wie die Gute-Nacht-Geschichte für Kinder vor dem Schlafengehen.


Rituale helfen uns, sich zu orientieren


Rituale helfen uns, unseren Alltag zu strukturieren und unseren Bedürfnissen im Laufe des Tages Raum zu verschaffen.  

Gerade, wenn man mit Kindern zu Hause ist, ist es ratsam, Rituale und Gewohnheiten zu schaffen. Der Wechsel von der geregelten Arbeitszeit ins anfangs chaotische Dasein mit Kind kann sonst leicht verwirrend werden. Rituale, wie Singspiele vor dem Mittagessen und das gemeinsame Nachmittagschläfchen sind also nicht nur gut für Kinder, sondern auch für Eltern, um den Alltag zu strukturieren.


Rituale sorgen für das Gefühl von Sicherheit


Rituale werden für uns deshalb in neuen unbekannten Situationen bedeutungsvoll, da sie eine Atmosphäre von Vertrautheit schaffen. 

Wenn zB Ihr Kind neu in die Schule kommt, so hilft es manchmal einen Teil der alten Gewohnheiten zu erhalten. Mit dem Bewusstsein, dass ich jeden Mittwoch Nachmittag auch weiterhin meinen Kindergartenfreund zum Spielen treffe, lässt mich vielleicht gelassener mit dem Umstand umgehen, dass ich fünf Tage die Woche mit vollkommen fremden Kindern klar kommen muss. 


Rituale erleichtern den Übergang zwischen konzentrierter Arbeit und Entspannung


Sie können das vielleicht noch aus Ihrer Schulzeit. Die Pause war um, sie sind zurück zu Ihrem Sitzplatz, sind kurz aufgestanden, als der Lehrer in das Klassenzimmer kam, sich hingesetzt – und sie konnten sich gleich auf den Lernstoff konzentrieren. 

Uns Erwachsenen fällt so etwas ein wenig schwerer. Wenn ich mich hinsetze und neue Englisch-Vokabeln lernen möchte, so dauert es vergleichsmäßig lang, sich auf das Thema einzulassen. Ich brauche sehr lange, bis ich mich konzentrieren kann. 

Oder denken Sie daran, wie viele Erwachsene nicht einfach abschalten können, wenn sie von der Arbeit nach Hause gehen. 

Kleine Rituale können den Wechsel zwischen Anstrengung und Loslassen erleichtern. 


Warum Rituale wertvoll für Kinder sind...



Rituale machen die Welt klarer



Kinder haben noch nicht so ausgereiftes Zeitgefühl wie wir Erwachsene.  Durch einen geregelten Ablauf und kleine Rituale  schaffen sie es leichter, den Tag in kleinere Phasen einzuteilen und sich so besser zu orientieren. Das beruhigt und überfordert nicht. 


Rituale helfen Kindern, sich sicher zu fühlen



Rituale stärken die Menschen, weil sie das Gefühl von Vertrautheit, Verlässlichkeit und Zusammengehörigkeit vermitteln. Das alles sind Bedürfnisse, die nicht nur in unserer Kindheit eine besondere Bedeutung haben. 


Rituale tragen der Kommunikation bei und vertiefen die Beziehungen



Rituale schaffen oft eine Gelegenheit mit anderen zusammen zu kommen und sich zu unterhalten. Denken Sie jetzt an die unzähligen Familientreffen zu bestimmten Feiertagen, wie es Weihnachten oder Ostern sind. Oft trifft man bei dieser Gelegenheit Menschen, die man Monatelang nicht gesehen hat, die einem aber trotzdem wichtig sind. 

Es kann jedoch passieren, dass Rituale zu einem Muss werden und uns das Leben eher schwer machen. Ein mögliches Beispiel dafür ist, wenn unser Kind ohne das gewohnte Ritual am Abend nicht schlafen gehen will, die Eltern jedoch fortgehen müssen. Dann gilt es oft, das Kind zu bestärken, ihm auf eine andere Art und Weise zu vermitteln, dass es geliebt und selbst mit seinen Ängsten angenommen wird. 

Aber auch wir Erwachsene sollten aufpassen, dass unsere Rituale uns nicht einzuschränken beginnen. Manchmal müssen wir uns auf uns selbst und nicht auf die Rituale verlassen, den Sprung auch ohne das Sicherheitsnetz wagen, und uns in neue unbekannte Situationen begeben. 

Alte Rituale, die mittlerweile keinen Bezug zu unserem jetzigen Leben haben, haben ausgedient, und müssen entweder aufgegeben oder verändert werden. 


Tipp für Eltern:
Mehr über dieses Thema vor allem im Zusammenhang mit dem Spielen erfährt man unter folgendem Link: Wie Sie mit Spielen die Entwicklung Ihrer Kinder fördern können - eine kostenfreie Broschüre für Eltern


FAZIT:

Schaffen Sie kleine Rituale in ihrem Alltag vor allem dann, wenn Ihre Kinder noch klein sind und sie viel Zeit mit Ihnen verbringen.

Lassen Sie kleine Gewohnheiten, die Ihnen und Ihren Kindern Spaß machen und an denen Sie hängen zu regelmäßigen Ritualen werden. Es kommt nicht so darauf an, ob Sie den Kindern regelmäßig vorlesen oder sich jeden Sonntag gemeinsam einen Film ansehen. Wichtig ist – genießen Sie diese Augenblicke zusammen und zeigen Sie dem/den anderen, dass die gemeinsame Zeit für Sie wichtig ist. 

Und welche Rituale schätzen Sie in Ihrem Alltag?



1 Kommentare:

  1. Hallo Dita!

    Sehr interessant Deine Gedanken zu Ritualen zu lesen und man kommt gleich ins Grübeln, welche Rituale man selbst hat und was sie einem bringen.
    In meinem Alltag hat sich folgendes Ritual herauskristallisiert: Dienstag ist Schwimmtag - d.h. ich treffe mich mit einer Freundin und wir gehen für 1h in die Schwimmhalle. Dort schwimmen wir (erklärt sich ja fast von allein) und erzählen uns von den jeweiligen Erlebnissen. Hier planen wir auch meist was wir demnächst unternehmen wollen. Das ist deswegen so wichtig für mich geworden, da wir uns bewegen (ich sitze den ganzen Tag vorm dem PC und bewege mich nicht allzu viel) und wir halten unsere Freundschaft aufrecht. So viel aus meinem Privatleben.

    Ich möchte an dieser Stelle noch auf die 21 rechtspädagogischen Regeln hinweisen. In der 16. rechtspädagogischen Regel geht es darum, dass junge Menschen Sicherheit, Geborgenheit, Vertrauen und Solidarität brauchen (nachzulesen hier: http://afrr-blog.blogspot.de/2012/12/19-turchen-des-afrr-adventskalenders.html). Dies kann man durch Rituale bieten, wie Du bereits in diesem sehr lesenswerten Post beschrieben hast. Daran kann man sehen, dass diese Regeln besonders im Alltag ihre Anwendung finden (müssen).

    Mach weiter so! Mir gefällt Dein Blog wirklich gut!
    Liebe Grüße
    Susanne

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So, und jetzt bist DU an der Reihe. Hier ist der richtige Platz für Fragen, die beim Lesen aufkommen, für Rückmeldungen und Gedanken - einfach für DEINE Worte. Ich freue mich auf Dein Kommentar! Dita

 

Ein paar Worte

Dieser Blog ist voller Anleitungen und Rezepte, die man gemeinsam mit seinen Kindern umsetzen kann. Möge Euch einiges davon inspirieren und dazu anregen, spannende und gleichsam befreiende Zeit voller Kreativität mit euren Kindern zu verbringen.

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