Warum Eltern mehr Kreativität in ihr Familienalltag bringen sollten…

3/28/2012 10:38:00 nachm.


Es ist eine wichtige Erfahrung für uns Menschen, dass wir mit dem Material und den Fertigkeiten, die uns zur Verfügung stehen, etwas aus eigener Kraft (er)schaffen können.

Meine Tochter ist krank und verbringt einige Tage mit mir zu Hause, anstatt mit ihren Freunden im Kindergarten zu spielen. Alleine mit mir ist es ihr langweilig. Die gewohnten Spielsachen sind in dieser Situation nicht mehr spannend genug. Sie hat bereits fünf Bilder an diesem Vormittag gemalt, jetzt mag sie nicht mehr. Nach einer kurzen Auseinandersetzung mit mir, wird ihr klar, dass der Fernseher eine Weile wohl ausgeschaltet bleibt. Was tun?

Ich erinnere mich daran, dass wir in unserer Kindheit einfache Puppen aus Wolle hergestellt haben, und zeige ihr, wie das geht. Da es einfach ist, schafft sie es leicht nachzumachen. Aber es reicht ihr nicht. Ihre Puppen müssen etwas besonderes werden – so macht sie sich dran, geeignete Materialien für die Röcke zu finden, überlegt sich, wie die Haare ausschauen könnten, versucht ihre neuen Puppen besonders hübsch zu gestalten. Anschließend spielt sie stundenlang mit ihnen im Bett Theater, während ich die Hausarbeit erledige und mir sogar ein paar ruhige Momente gönnen kann. 

Ich stelle mir in diesem Beitrag die Frage, welche Rolle Kreativität im Familienalltag spielen kann. Mehr Anregungen zum Thema wie man Kinder in ihrer Kreativität fördern kann, finden Sie morgen im Beitrag „Tipps und Empfehlungen, um die Entfaltungder Kreativität bei Kindern zu fördern“

Kreativität bedeutet Weiterentwicklung


Kreativität ist die Fähigkeit, die wir auf der Suche nach einer für uns geeigneten Problemlösung einsetzen, wenn wir uns mit oft vorhandenen Standardlösungen nicht zufrieden geben wollen. Für mich ist es die Art und Weise, wie ich aus meinem Inneren heraus mein Leben gestalten kann, oder wie ich meinem persönlichen Umfeld mehr Farbe verleihen kann. 

Auch zur Erziehung gehört für mich Kreativität unbedingt dazu, denn ich kenne meine Familie und unsere Bedürfnisse und Eigenarten besser als Autoren von pädagogischen Ratgebern. 

In der weiter oben skizzierten Alltagssituation war weniger ich kreativ als eher meine Tochter. Sie stellte sich die Frage, wie sie ihren Puppen ein individuelles Aussehen verleihen kann. Sie suchte ihre Schubladen nach geeigneten Materialien und funktionierte umgehend aus Hamaperlen erzeugten Blumen zum Kleiderschmuck.

In seinem Interview antwortet der Kreativitätsforscher und Professor für Psychotherapeutische Medizin an der Universität Heidelberg - Rainer Holm-Hadulla – auf die Frage nach dem Wesen der Kreativität: „Die Minimaldefinition lautet: Kreativität ist die Neukombination von Informationen.“ Kreativität heißt also manchmal scheinbar nicht Zusammenhängendes zu verknüpfen.
Mehr zur Definition von Kreativität lesen Sie auf der Website von "erziehung-kreativ"


Kreative Lösungen sind persönlich


Kreative Lösungen haben vor allem den Vorteil, dass sie passend für die aktuelle Situation des jeweiligen Menschen entworfen wurden. Versucht man sie zu einer Standardlösung für alle zu umfunktionieren, so stellen sie sich oftmals nicht mehr als ganz so kreativ heraus, sondern vielmehr als einengend und mit den individuellen Lebensumständen anderer unvereinbar.

Viele Eltern kennen es – vielleicht haben auch Sie irgendwann Methoden in der Erziehung eingesetzt, von denen Sie gehört haben und die bei Ihren Freunden sehr gut funktionierten. Manchmal hat man Glück, aber sehr oft erweisen sich solche Methoden einfach als nicht umsetzbar und umso mehr frustrierend. Ich habe diese Erfahrungen gemacht, als ich mir wünschte, mein Sohn, damals ein Säugling, würde endlich lernen in der Nacht durchzuschlafen, oder meine Tochter würde ohne Wutanfälle das alltägliche Zähneputzen akzeptieren. 

Trotzdem – lassen Sie sich ruhig inspirieren. Lernen Sie von anderen. Aber versuchen Sie nicht deren Lösungen eins zu eins für Ihr Leben zu übernehmen. Das funktioniert selten. 

Sind alle Menschen kreativ? 

Ja – eigentlich schon. 

Wenn ich in meinen Workshops zum Thema Kreativität in der Erziehung die Teilnehmer nach ihren Erwartungen frage, so höre ich oft die folgende Antwort: „Ich bin eigentlich kein kreativer Mensch…“ 

Als Erwachsene vergessen wir manchmal unsere Kreativität zu nutzen. Oft sind schnellere Lösungen aus durchaus vernünftigen Gründen mehr gefragt als kreative, die mehr Zeit und Mühe erfordern. Oft trauen wir uns das nicht zu, eine Idee umzusetzen, fürchten die Reaktion anderer. 

Mein Rat lautet: legen Sie die Scheu ab und lernen Sie wieder von Ihren Kindern kreativ zu sein, zu entdecken und zu experimentieren. 

Die Vorteile von Kreativität in der Erziehung?


Die Erfahrung, dass ich etwas aus eigener Kraft schaffe, ist nicht nur befriedigend, sondern vermittelt auch Selbstbewusstsein und Stärke. Vor allem für Kinder ist es wertvoll, wenn sie herausfinden, wie sie ihre eigenen Vorstellungen verwirklichen können. Dass es oft nicht gleich beim ersten Versuch gelingt, ist klar. Dabei lernen Kinder viel für ihr späteres Leben. Nicht zuletzt, dass es wichtig ist Ausdauer zu zeigen und sich nicht durch Misserfolge frustrieren zu lassen. 

„Ich bin ein Glückspilz. Ich kenne über 5000 Möglichkeiten, wie man keine Glühbirne herstellt. “ 
(Thomas Alva Edison.)

Auch Kreativität hat ihre Grenzen 


Kreativität kennt keine Grenzen, heißt es in einem oft gehörten Satz, der aber eher andeutet, dass man mit Hilfe von Kreativität Grenzen überwinden kann. Immer? 

In manchen Alltagssituationen erweist sich Routine produktiver als Kreativität.  Gewohnte Lösungen vermitteln Klarheit und erfüllen durchaus die Erwartungen, die man in sie setzt. Zu viele Innovationen, zu viel Neues, Unmengen an kreativen Lösungen im Alltag könnten Überfordern und zumindest zeitweise für Verwirrung sorgen.


Fazit: 


Liegt uns in einer bestimmten Situation daran, eine Lösung an persönliche Bedürfnisse anzupassen oder unserer Umwelt in einem ausgewählten Bereich eine individuelle Note zu verleihen, dann kann Kreativität helfen. 

Und welche Erfahrungen haben Sie in Ihrem Alltag mit Kreativität gemacht?


Verwendete und weiterführende Literatur:

Katharina Martin: Das Leben mit Kindern ist eine Kunst -> zum Download



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