Mit gutem Beispiel voran

2/27/2012 01:42:00 nachm.


Endlich – die Semesterferien sind vorbei, die Kinder sind in der Schule, die Wäsche ist gewaschen. Ein Stück Schokolade wäre jetzt fein, denke ich und schleiche unauffällig Richtung Speisekammer. Warum ich schleiche, ist mir rätselhaft, denn ich bin ganz alleine zu Hause. Die Schokolade, an die ich mich schon so freue, habe ich einige Stunden zuvor selber gekauft und nach Hause gebracht, wo ich sie im Süßigkeitenregal vor mir selbst „versteckt“ habe. 

Vorbildhaftes Verhalten – das ist etwas, was von uns Eltern oft rund um die Uhr erwartet wird.Wir sollen doch Kindern zeigen, wie man zum Beispiel vernünftig in Konflikten reagiert, wie man am besten mit der Wut umgeht, wie man zu Hause Ordnung hält, wie man passend im Frühverkehr den anderen Menschen begegnet… Vorbild zu sein ist unsere Aufgabe!

Auf den richtigen Zeitpunkt kommt es an!

„Mama, ich habe eine Frage“, sagte unlängst meine eher wasserscheue Tochter etwas vorwurfsvoll zu mir. „Warum duscht DU nie?“ Und da ist es mir klar geworden. Manchmal nutzt es nicht viel, das richtige zu tun, wenn wir immer den falschen Zeitpunkt wählen. So habe ich immer nur dann geduscht, gebadet, meine Haare gewaschen und die Zähne geputzt, wenn die Hausarbeit erledigt war und die Kinder im Bett waren. Fazit: Ich habe zwar alles richtig gemacht, habe aber trotzdem die Gelegenheit verpasst, ein gutes Vorbild zu sein. 

Unser Weg hilft den Kindern, sich zu orientieren!

Unser Handeln im Alltag ist wichtig für Kinder. Es zeigt ihnen, worauf es uns ankommt, was uns wichtig ist und welche Normen in unserer Gesellschaft gelten. Dadurch vermitteln wir unseren Kindern Werte und geben ihnen die Möglichkeit, sich zu orientieren. Sie finden heraus, welches Verhalten von anderen akzeptiert wird und welches nicht. Indem Kinder uns beobachten und manchmal sogar imitieren, lernen sie unsere Einstellungen zur Umwelt kennen, sie begreifen unser Verhalten, und lernen unsere politischen und religiösen Ansichten zu verstehen. Während dies in den ersten Lebensjahren des Kindes eher unkritisch passiert, so scheint es mir später eine wichtige Aufgabe zu sein, Kinder dazu zu animieren, sich mit den Themen bewusst auseinander zu setzen, um einen eigenen Weg zu finden. 

Im Zusammenhang mit dem Erleben von Vorbildern spricht Sigmund Freud vom Über-Ich. Dieses psychoanalytische Konzept betont die Bedeutung von Geboten und Verboten der Eltern für die Ausbildung von Moral und Gewissen. Dieses Bewusstsein, dass wir Eltern für so Vieles verantwortlich sind, kann im Alltag regelrecht überfordern. Dann setzen wir uns unter Druck und wollen nur mehr alles „RICHTIG“ machen. 

Es ist wichtig, den Mut zur Un- zu beweisen!

Aber ein angemessen gutes Vorbild geben wir Erwachsene erst dann ab, wenn wir nicht alles unter dem Anspruch der Perfektion machen. Dazu ist es manchmal notwendig mit etwas Mut unseren Kindern zeigen, dass wir nicht die Allwissenden sind, sondern immer noch einiges lernen können.
Haben Sie also auch im Alltag mit Ihren Kindern:
  •           Mut zur Unwissenheit
  •           Mut zur Unvollkommenheit
  •           Mut zur Untätigkeit und langen Weile
  •           Mut zur Unvernünftigkeit
Ich habe beschlossen, meinen Kindern in der Zukunft öfters zu zeigen, dass Entspannung und Genießen (selbst von Süßigkeiten) im Leben wichtig sind und dass man daraus nicht immer ein Geheimnis machen muss. 

Mehr zum Thema Werte und Orientierung lesen Sie auf meiner Homepage>>> www.erziehung-kreativ.com

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